A.R. Penck und Martin Dessecker

A.R. Penck und Martin Dessecker

Karl Imhof und Martin Dessecker beim Andruck

Karl Imhof und Martin Dessecker beim Andruck

Karl Imhof und Matthias Mücke an der Schnellpresse

Matthias Mücke an der Schnellpresse

29. Mai 2017

A.R. Penck 1987

Als ich las, dass A.R. Penck im Mai 2017 gestorben ist, fiel mir ein, dass ich 30 Jahre zuvor, also im Jahr 1987, als ich neben meinem Kunststudium im Atelier für Druckgrafik von Karl Imhof in München Westend arbeitete, einige Fotos gemacht hatte, wie «Ralf» (so wollte er angesprochen werden) an einer Serie von Lithografien arbeitete. Er war offenbar ein humorvoller Mensch: ich erinnere mich, dass ich ihn danach fragte, was für ihn den Hauptunterschied zwischen Ost- und Westdeutschland ausmachte (zu diesem Zeitpunkt stand die Mauer ja noch). Und er antwortete: «Im Sozialismus musste ich meine Grafiken selber drucken, im Kapitalismus macht Ihr das für mich.»

Kontrolle der Farbproofs

Druckbogenansicht im Kontrollmonitor

Farbabstimmung des Covers

Buchvorstellung im Showroom von Edizioni Periferia, Luzern

Special Edition: Farbkörper in der exakten Größe des Buches

Das Buch als Skulptur …

… und als integraler Bestandteil des Werks

1. Juli 2016

Stefan Gritsch – Body of Memory

Für den Schweizer Künstler Stefan Gritsch habe ich bereits schon vor zwölf Jahren einmal ein Buch gestaltet (Daylight, Edizioni Periferia, Luzern 2004, in Zusammenarbeit mit Thorsten Platz). Sein Werk und auch meine Arbeitsweise haben sich seitdem natürlich verändert und entwickelt. Für mich ist das verbindende Element das Wachsen und die ganz allmähliche Verschiebung von Gewichten und Interessen: Zeit als Gestaltungsfaktor.

Aus den ersten Entwürfen und der gründlichen Vorarbeit des Künstlers ergab sich für mich die glückliche Situation, nicht bei Null anfangen zu müssen, sondern seinen Blick auf das eigene Werk frei reflektieren zu können und ihn mit meiner eigenen Sicht zu konfrontieren. Das führte über mehrere Monate zu einem Spiel des Hin- und Hersendens von Bildern und Layoutvarianten, dem Austausch von Gedanken und Ideen.

Der ursprüngliche Plan eines Konvoluts von thematischen Einzelheften, die je eine Gruppe von Werken in den Fokus nehmen sollten, wich schliesslich der Entscheidung, ein umfangreiches «Werkbuch» zu produzieren, das zwar immer noch die Sortierung nach selbstgewählten Kategorien beibehält, diese aber offener und eher semipermeabel behandelt, um den Überlagerungen und Wandelprozessen in Stefan Gritschs Arbeit Rechnung zu tragen.

Das eher kompakte Format (126 x 204 mm) und die Bindung als Freirückenbroschur unterstützen den Charakter eines wissenschaftlichen Werks oder eines Sachbuchs, dennoch werden die sinnlichen Qualitäten des Materials und der Farben nicht verleugnet. So findet zum Beispiel das Verfahren des Schichtens und Aufschneidens von Farbvolumina im bedruckten Farbschnitt des Buches eine gestalterische Entsprechung.

Der »Chinesische Satzzirkel«

3. Oktober 2015

Druckerei J. J. Augustin

Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals (13.09.2015) besuchte ich die kulturhistorisch bedeutsame Druckerei Augustin in Glückstadt. 1632 erhielt der dänische Buchdrucker Andreas Koch das Privileg, eine königliche Buchdruckerei einzurichten. Nach einer wechselvollen Zeit gelangte die Druckerei 1775 in den Besitz der Familie Augustin, heute ist sie im Besitz der Familie Reimers. Berühmt wurde die Druckerei zu Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Chinesischen Satzzirkel, eine sinnreiche Eigenkonstruktion von 1926 der Offizin für den Handsatz von chinesischen Dokumenten. Um chinesische Schriften setzen zu können, importierte Heinrich Wilhelm Augustin im Jahre 1912 die ersten 7.000 chinesischen Bleilettern aus Shanghai, die per Postschiff nach Hamburg und dann auf dem Landweg nach Glückstadt geliefert wurden (später sollten weitere 12.000 dazu kommen). Dr. Jürgen Bönig vom Museum der Arbeit Hamburg führte durch die Druckerei und schilderte dabei auch die Probleme, diese kulturhistorisch bedeutende Stätte für die Nachwelt zu erhalten. Ein Porträt der Druckerei findet sich auch in dem dokumentarischen Filmessay Zwiebelfische – Jimmy Ernst, Glückstadt-New York von 2010. Der Sohn des Künstlers Max Ernst fand in der Druckerei Augustin als Lehrling Unterschlupf vor den Nazis, bevor er 1938 von Hamburg mit dem Schiff nach New York auswandern konnte.